Kunst kann aus Extremen Poesie machen

Im Projekt EXTREMnormal offenbaren Künstler im Südbahnhof ihren Blick auf ebenso extreme wie alltägliche Situationen in der Südstadt. Anschließend können sich die Zuschauer an der künstlerischen und poetischen Bearbeitung beteiligen.

Die Extreme sind Alltag – nicht nur in der Südstadt

Jeder hat es schon gedacht oder zumindest gehört: „Das wird immer extremer!“ So geht es auch Georg Dammer, Chef des Werkhaus e.V.. Spätestens wenn er sich die Umgebung des Südbahnhofs ansieht, in dessen Räumlichkeiten der Verein residiert. „Immer mehr Bettler, immer mehr Gewalt, die beiden Bahnunterführungen mit immer mehr Dreck und Taubenkot …“ sagt er. „Vor 10 Jahren wäre das noch extrem gewesen, heute scheint das normal.“

Aus dem Unbehagen entsteht das Projekt EXTREMnormal

Dieses Gefühl nahm er zum Anlass, gemeinsam mit Helmut Wendroth, dem künstlerischen Leiter des KRESCH-Theater das Projekt EXTREMnormal ins Leben zu rufen. „Ich bin immer froh, wenn Helmut einen künstlerischen und poetischen Ansatz für so ein Thema findet, für das es keine politischen Lösungen gibt“, sagt Dammer.

EXTREMnormale Situationen wurden erkundet

Wenderoth hat sich mit der Textkünstlerin Ruth Mensah und dem Musiker Max Kotzmann zusammengefunden. Die drei haben sich gegenseitig mit Spaziergängen durch den Südbezirk beauftragt. Dabei war es nicht schwer, Situationen, Plätze, Personen zu finden, die sie selbst als extrem empfanden. Daraus haben sie für die Auftaktveranstaltung am Freitag kurze Performances entwickelt. In der Pause und nach der Vorstellung wollen sie darüber mit den Zuschauern ins Gespräch kommen und sie animieren, ihre eigenen Ideen einzubringen und sich bei der Weiterentwicklung des Projekts zu beteiligen. Daraus ergibt sich für das Frühjahr 2018 eine gemeinsame Abschlussperformance. Dabei sind nicht nur Bewohner des Südbezirks angesprochen.

EXTREMnormale Performance mit Sprayer-Kunst und Kompositionen aus Südstadt-Lauten

Am Freitagabend werden Alex Weigandt und Jaroslaw Masztalerz eine von ihnen besprayte Folie zeigen. Ruth Mensah wird beispielsweise eine Geschichte beitragen, zu der sie ein Hausmeister inspiriert hat, den sie bei einem ihrer Spaziergänge beobachtet hat. „Wir werden die gewohnte, an sich ruhige Lese-Situation ins Extreme steigern“, sagt sie, und sie mit Projektionen und Sound-Collagen visuell und akustisch aufladen. Max Kotzmann ist es zum Beispiel gelungen, mit dem Richtmikrophon die teilweise unartikulierten Laute einer Frau einzufangen, die mit sich selbst gesprochen hat und das zur Basis einer Komposition gemacht. „Dabei geht es uns nicht darum, diese Menschen bloßzustellen“, betont Wenderoth. „Vielmehr haben wir selbst bei unserer Arbeit Gelegenheit gehabt, unseren Blickwinkel zu ändern, gelernt, warum das Extreme für andere normal ist. Wir wollen nicht belehrend auftreten, sondern offen und fragend.“ Auf diese Weise hat er bereits eine Verbindung aufgebaut zu einem Kioskbesitzer aus der Südstadt. „Dessen Kiosk empfand ich als Extrem: Was hier alles verkauft wird, wie die Schaufenster aussehen! Aber für ihn und die Kunden ist das Kiosk das normalste der Welt!“ Nun geht Wenderoth öfter dorthin und umgekehrt freut sich der junge Mann über seine Besuche.

Die Veranstaltung:

Freitag, 10. November 2017, 19 Uhr, Südbahnhof, Saumstraße . Dauer zirka 75 Minuten inklusive Pause, danach gibt es Gelegenheit zu Diskussion und Planung weiterer Schritte. Der Eintritt ist frei.

Die Beteiligten:

Georg Dammer, Geschäftsführer des Werkhaus e. V. und Projektleiter

Jacob Nain, Dichter – Pseudonym von Helmut Wendroth, den künstlerischen Leiter des KRESCH-Theaters

Ruth Mensah, betätigt sich nach einem Studium der Germanstik und Politikwissenschaften als Performance-Künstlerin und Dichterin. Sie wird begleitet von Leon Illies.

Max Kotzmann, hat nach dem Musikstudium bereits Bühnenmusik für das KRESCH-Theater komponiert

Alex Weigandt und Jaroslaw Masztalerz, Sprayer

Karin Besser, bildende Kunst

Elias Ordelmanns, Laura Thomas, Schauspieler

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