REVUE: 7 Jahre Next Alphabet – Ein Erfahrungsbericht aus der ersten Generation
Von Sina Röcher
Mein Name ist Sina und ich bin 26 Jahre alt. Ich gehöre zur Next Alphabet Generation 1. Ich befand mich vor 7 Jahren in einer Kirche mit Moos, Holz und Latex. Daraus wurde dann eine Konstellation gebaut, welche noch nie in einer Kirche gesehen wurde.


Aber nicht dieses Ergebnis war mein Highlight, sondern der Weg dorthin. Material besorgen, basteln und gestalten. Bis heute ist mir der Weg wichtiger als das Ergebnis. Auch wenn nicht jeder, der in die Kirche kam, verstand, was wir taten, fand ich es schön, von jedem die eigenen Ideen und Gedanken zu unserem Projekt zu hören und deren Kreativität im Kopf mitzuerleben.
Die Liebe zur Kreativität hat mich in den letzten sieben Jahren begleitet. Auch wenn ich durch mein Studium der Soziologie und Politik viel wissenschaftlich arbeite und schreibe, bin ich immer noch begeistert vom Gedichte schreiben, tanzen und Theater spielen. Besonders das Tanzen hat mich im Laufe meines Lebens immer begleitet. Vom Kindertanzen bis zu heutigem Hochschulsport Tanzen ist es in meinem ganzen Leben präsent. Wenn ich traurig bin, mache ich einfach Musik an und tanze durch den Raum und finde meine Freude wieder.
In alle den Jahren haben mir die Next Alphabet-Projekte der anderen Generationen immer wieder vor Augen geführt, wie sich die Stadt als lebendiger, kreativer Raum erfahren lässt. Ich habe gesehen, wie Kultur und Demokratie nicht an klassische Institutionen gebunden sind, sondern überall dort entstehen kann, wo Menschen zusammenkommen. Ob in einer Kirche, in einem verlassenen Café oder in einem Tanzraum.
Auch wenn ich jetzt in einer anderen Stadt wohne, vermisse ich Krefeld als den kreativen Ort, den ich erleben durfte. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass ich für die KinderDemokratieArena gefragt wurde und ein Teil der nächsten, bzw. letzten Next Alphabet Generation sein durfte.



In meinem Studium ist alles trocken, keine Praxis nur Theorie. Ich lerne zwar, wie Demokratie auf dem Papier funktioniert, aber wende es nicht an. So kam mir die Gelegenheit, mit Kindern und einem Abgeordneten aus dem Bundestag zusammen ein Gespräch zu planen und durchzuführen, wie gerufen.
Ich war schon früh im Jugendbeirat von Krefeld und finde es bis heute wichtig, dass jede Stimme in einer Stadt gehört wird und in der Politik mitgedacht wird. Denn wenn ich etwas im Leben gelernt habe, dann, dass Menschen vergessen werden, dass Menschen die Hoffnung in die Politik verlieren und dann die Politik diese Menschen vergisst. Ein Dialog zwischen Politiker*innen und der Bevölkerung, egal, in welchem Alter, ist wichtig, um die Demokratie am Leben zu halten.
In der Arena stellten wir uns die Frage: „Wem gehört die Stadt?“ Den Kindern, dem Bürgermeister, den Eltern? Durch den Dialog habe ich viel gelernt und gehe seitdem durch die Stadt und frage mich, wer hat entschieden, dass hier jetzt ein Parkplatz ist und wer hat entschieden, dass auf dem Spielplatz nur eine Schaukel ist.
Kurz nach der Arena habe ich für mein Studium ein Interview mit einem Menschen im Rollstuhl geführt. Durch ihn habe ich die Stadt noch einmal aus einem anderen Blickwinkel gesehen. Für ihn ist die Stadt nicht einfach da – er muss sie sich ein Stück weit selbst gestalten, damit er sich in ihr bewegen kann.
Am Ende nehme ich für mich mit, dass wir alle gemeinsam die Stadt gestalten. Jeder Mensch hat seinen eigenen Anteil und damit auch seine eigene Sicht auf die Stadt. Obwohl wir am selben Ort leben, kann diese Stadt für jeden Menschen eine ganz andere sein.
Auch weil ich in den 7 Jahren nicht immer Teil des Next Alphabet-Projektes war, habe ich gemerkt, wie sehr mir sowas in meinem Leben gefehlt hat und ich jetzt nach mehr solchen Projekten Ausschau halte, in denen mein Studium aktiv nutzen oder einfach nur meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.





