Normales Ende ­– extremer Genuss

Statt der üblichen Resümees gab es ein exquisites Abendessen. Auf dieser Grundlage wurde die Abschlussveranstaltung der Projektreihe EXTREMnormal ein außergewöhnliches Erlebnis

Die Vorbereitungen auf einen extremen wie normalen Abend

Geheimnisvoll erschien der Südbahnhof schon beim Betreten. Zirka 30 geladene Gäste in feiner Kleidung sogen den Duft einer würzigen Speise in ihre Nasen und hörten Klaviermusik. Hinter einer provisorischen Trennwand sahen sie einen fein gedeckten Tisch. Helmut Wenderoth, künstlerischer Leiter der Reihe, bei der das Kresch und das Werkhaus kooperierten,  gab jedem Gast eine persönliche Menükarte und erklärte ihm den Ablauf des Abends: Essen im Schweigen, Trinksprüche, ein kleines Konzert des Drummers Max Kotzmann, ein Gedicht, geschrieben von Jacob Nain (das Pseudonym von Helmut Wenderoth), gelesen von Ruth Mensah, das die Gäste dazu anregte, selbst Gedichte zu verfassen und auf die weiße Tischdecke zu schreiben. So wurde aus dem normalen Abend ein extremverdichtetes, zauberhaftes Erlebnis.

Wie wirkt ein gemeinsamen Abendessen, gehüllt in Schweigen

Schweigend gerät das gemeinsame Mahl zu einer besonderen Erfahrung

Beispielsweise redet ein alleinstehender Mensch beim Essen normal auch nicht. Vielleicht hört er dabei sogar Musik. Aber selten solch extrem dramatische Opernarien, wie Helmut Wenderoth sie dafür ausgesucht hatte. Und für ein drei Gänge-Menü wie das hier servierte sucht man sich normal Gesellschaft, mit der man sich unterhalten möchte. Doch so war das Essen, bei dem Wenderoth und Werkhauschef Georg Dammer die Gäste bedienten, extrem konzentriert.

Die Sinne waren geschärft für den Duft, den Geschmack der Speisen und die Aktionen der Tischnachbarn. Höflich bot man sich gegenseitig Getränke an, auch ohne Worte entging einem nichts. In den Hintergrund gerieten dabei die Videodokumentationen der bisher gelaufenen Veranstaltungen:

  • Der Auftaktperformance im November im Tunnel des Südbahnhofs,
  • die Drumsession Street Samba von Max Kotzmann an der Haltestelle Lehmheide an der Gladbacher Straße am 16. März 2018
  • Die Führung Blickwinkel am 26. März, bei der Helmut Wenderoth Menschen zu scheinbar normalen Orten im Krefelder Süd geführt hat
  • Die Lesung Gegenwarten, die Ruth Mensah bei Neonlicht in einem Schaufenster an der Gerberstraße am 27. März 2018 inszenierte.

Die Gäste sind bereit zu ungewöhnlichen Aktionen

So vorbereitet, gestalteten sich die anderen Programmpunkte anders als erwartet. Helmut Wenderoth ermutigte mit einer Geschichte die Gäste zu Ironie-freien, ehrlichen Trinksprüchen auf besondere Menschen. Nach Ruth Mensahs Vortrag schrieben alle Gedichte. Auch solche, die das sonst nicht tun oder sich zutrauen würden. Alle beteiligten sich an der Drumsession von Max Kotzmann, der mit Löffeln und Gabeln, mit Salz- und Pfefferstreuer einen Rhythmus vorgab.

Zum Schluss nahmen alle an dem zur Bar umfunktionierten Eingangstresen des Südbahnhofs noch extrem leckeren Espresso und etwas vom Zauber dieses Abends mit nach Hause.

Helmut Wenderoth, Harry Emke und Georg Dammer am Schluss der Veranstaltung bei Espresso und hochgeistigen Getränken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.