EXTREMnormal KUDDBIES – das Ende

KUDDBIES ist ein Projekt des Werkhaus e.V. mit dem KRESCHTheater in Krefeld. Helmut Wenderoth hat dieses Projekt künstlerisch geleitet.

KUDDBIES ist abgeleitet von „could be“ und beschäftigt sich mit Möglichkeitsräumen von Realität und Poesie. Eingeladen zu KUDDBIES waren Künstler:innen und Laien. Gefunden wurden Menschen auf der Suche nach Möglichkeiten und Menschen, die sich von Möglichkeiten haben finden und inspirieren lassen.

Am 01. Februar 2019 war KUDDBIES die Abschlussperformance des Projekts.

Helmut Wenderoth begrüßt, stellt KUDDBIES, einen improvisierten Raum der Möglichkeiten, vor. Die beteiligten Künstler:innen installieren ein kreatives Miteinander auf Augenhöhe.

Nora M. Maciol und die „Börse für Geschichten“.

Im Raum sind Stühle verteilt, jeweils zwei Menschen darauf, Auge in Auge nahe gegenüber sitzend. Auf den Stuhlrückenlehnen Zettel geklebt mit anregenden Aufgaben.

Erzähl mir eine Geschichte: Von dir! Ich erzähle dir von mir. – Nenne vier Fakten aus deinem Leben. Eine darf und soll auch erfunden sein. – Komm auch, mit auf eine Reise, zu einem Ort, aus deiner Kindheit, unserer Kindheit.

Stühle wechseln, Geschichtenpartner wechseln, Menschen in den Raum, in die Börse mit einbeziehen.

Eine unkompliziert anregende Atmosphäre von Gesprächen ist diese Möglichkeit. Leicht vorstellbar, wie lohnender es sein könnte, (could be) diese Situation auf ausgesuchte Flächen in urbanen Räumen zu übertragen: Öffentliche Plätze, Parks, Bahnhofshallen! etc.

Julia Polziehn nimmt die Situation auf, antwortet mit Klängen ihres Cellos auf die Möglichkeiten des Ereignisses. Bewusst Erinnerungen an klassische Musik mit assoziativ-improvisierten Klängen gemischt.

Geschichte von Jakob Nain: „Das kleine Mädchen und der Wolf“.

Die Geschichte spielt mit der latent vorhandenen Dramatik der ungewöhnlichen Begegnung von Mädchen und Wolf, die durch Assoziationen aus bekannten Märchen konnotiert und aufgeladen ist

und mit idyllischen Bildern des leichten idyllsichen Miteinanders beim über Bäume klettern und im Waldsee schwimmen erweitert wird

und am Ende überraschend doch so endet, wie man es eigentlich hätte erwarten können oder gar müssen.

„Am Abend bekam der Wolf Hunger und fraß das kleine Mädchen auf.“

Eine Möglichkeit: Offene freie Improvisation, die sich bewusst an bisher genannten Momenten des Abends orientiert. Julia Polziehn gestaltet ihre musikalischen Reise auf dem Cello und korrespondiert mit der Geschichte, die Helmut Wenderoth frei erfindet.

Ein Mann beschließt, nie wieder etwas zu essen, gerade so als wolle er die Freveltat des Wolfes aus der Geschichte vorher ausgleichen. Seine Frau, die ihn „mein Füchschen“ nennt, begleitet sein Dauerfasten wohlwollend, er steht am Fenster und löst sich, märchenhaft allmählich auf, wird immer dünner und fliegt dann, wie Mary Poppins, aus dem Wind gekommen und in den Wind geblasen, davon.

Jörg Eisentraut tritt ans Mikrofon und liest die nahezu unglaubliche Geschichte eines „gutgläubigen“ Rentners von der schwäbischen Alb vor. Dieser bleibt konsequent bei seinem „positiven Menschenbild“ und seinem Glauben an das Gute im Menschen. Das führt dazu, dass er einer Gruppe von Rumänen, die er nach einem Dorffest eher zufällig trifft, Essen, ein Nachtlager und am nächsten Morgen auch sein Auto anbietet.

Diese Geschichte, die so ähnlich tatsächlich passiert sein soll, wirkt um so unglaublicher, weil er sein Auto tatsächlich innerhalb des mit den rumänischen Fremden vereinbarten Zeitraumes zurückbekommen wird. Die Geschichte ist ganz bewusst schlicht formuliert, was ihren märchenhaften Charakter extra betont und dient somit wie eine Erinnerung daran,  wie einfach KUDDBIES bestehende Muster brechen und Alttag verändern können und gleichzeitig wie kompliziert die Veränderung von Einstellung letztendlich ist und bleiben wird.

Laura Kotzmann liest das Gedicht Home von Warsan Shire, in dem diese quasi überdeutlich, die unsagbaren Schrecken von Momenten der Flucht aus einem vom Krieg brennenden Heimatland in drastische Bilder fasst. Der Text verstört, ohne anzuklagen und konfrontiert die Zuhörer:innen mit eigenen Einstellungen und dem KUDDBIES des Helfens und der unterlassenen Hilfeleistung zugleich.

Alle Künstler:innen beteiligen sich an einer Improvisation in der Helmut Wenderoth eine Familiengeschichte installiert in der zerrüttete Verhältnisse in einem bild-geladenen  Ambiente aufeinanderprallen, wo das, was hätte sein können, an dem gescheitert ist, was geworden ist, wo Familie als Modell konstruiert wird, das einmal mehr gescheitert ist und es gegen Ende, als besonderes Strukturelement gelingt, einige Äußerungen von Zuschauer:innen ins Geschehen kreativ mit einzubeziehen.

Helmut Wenderoth stellt alle Beteiligten Künstler:innen in Dialogen vor und diskutiert zusammen mit ihnen und den Zuschauer:innen, was sonst noch hätte sein können und in Zukunft bei kommenden KUDDBIES werden kann.

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