Diorama an der schiefen Ebene

Die 18. Geschichte ist eine Fortsetzung von Story Nr. 17: Wackelzimmer im Spielhaus.

Noch arbeiteten wir weiterhin am Projekt „Bau + Wohnhits von Kids“.  Wegen des Spielplatzbaus konnten wir immer noch nicht mit den Kids auf das Areal Dießemer Straße. Eindrücke des Gebäudebestands, des Aussehens und der Größe sollten Fotos vermitteln. Da es noch keine digitalen Fototechniken gab, fotografierte Alexander Fest in Teilabschnitten die gesamte langgezogene Front des Hauptgebäudes auf der Dießemer Straße, vergrößerte die einzelnen Teile und setzte sie auf einer fast zwei Meter langen Sperrholzplatte aufgezogen zusammen. Davor wurde dann eine schiefe Ebene montiert, auf der die Kids nun aus allen möglichen Materialien Spiel-geräte bauten, Wege und Sandbereiche anlegten, Modellbäume und Buschwerk anpflanzten. Für die Fotofront im Hintergrund wurden verschiedene Folien mit Malereien, veränderten Fenstern und Türen entworfen, die abwechselnd an die Gebäudefront gehängt werden konnten. Schaute man nun durch die Spielgeräte-Modelle auf der schiefen Ebene auf die Front, entstand ein dreidimensionaler Effekt. Das so entstandene Diorama, also plastisch wirkende Schaubild, wurde noch durch eine Videokamerafahrt entlang der gesamten Front verstärkt. So „ästhetisiert“, wie der Kinderbeauftragte des Landes bei einer Ausstellung meinte, entstand der Eindruck, die Betrachtenden seien auf dem Spielplatz-Gelände. Effektvoll ergab sich so eine Vorstellung vom zukünftigem Spielzentrum auf der Dießemer Straße.

Maßstabmodell im Bau

Nachdem endlich ein Aufrissplan erstellt werden konnte (15. Story), setzten ältere Kids die Abmessungen in einen maßstabgerechten Modellbau (1:25) aus Sperrholz um. Mit viel Liebe zum Detail wurde ein voll eingerichtetes Café mit Küchenzeile und Theke gebastelt, eine Bühne mit Kulisse entstand, eine Tischtennisplatte und ein Billardtisch mit Queue und Kugeln durfte natürlich nicht fehlen. Selbst die Toilettenanlage wurde komplett eingerichtet dargestellt. Nur die Werkstätten im Keller konnten nicht dargestellt werden. Fertig ausgearbeitet drehten die Planenden mit Makroaufnahmen einen Videofilm in dem Modell, der durch eingefügte Kinderspiel- und Bastelszenen aus dem Werkhaus bereichert wurde. Im Film, unter damals technischen Mitteln hergestellt, hatte es nun den Anschein, die Kids nutzten schon die Räume in ihrem neuem Spiel-Zentrum.

Neben den hier und in der 17. Geschichte dargestellten Projektaktivitäten gab es noch zahlreiche andere Aktionsphasen des Projekts. Lochkamerabau und -fotografie des Viertels, Kinderversammlung, Guckloch-Kastenbau mit Spielplatzdarstellungen, Entwicklung eines Spielhausspiels u.v.m.  Zwischendurch wurden die Ergebnisse des Projekts, der Spielhausplanung durch Kids, immer wieder ausgestellt. Einen Höhepunkt stellte eine Ausstellung in Waltrop dar, in ihr wurden auch die anderen Projekte des Landes-Wettbewerbs „Bau + Wohnhits von Kids“ präsentiert.

28 Wettbewerber wurden ausgelobt. Unser Krefelder Projekt war eins der wenigen, die schließlich dank Vieler realisiert wurden. Hans Karpendiel, ein damaliger Werkhausmitarbeiter, erfand den Namen „SpieDie“, das offiziell am 21.03.1998 eröffnet wurde. Schon vorher, seit dem Baubeginn Mitte 1995 arbeiteten wir mit den jungen Besucher*innen auf dem Spielplatz und in den jeweils fertig gestellten Bauabschnitten.  Seitdem bietet es viele Betätigungsmöglichkeiten für jung und alt und entwickelte sich zu einem Zentrum für die ganze Familie im Quartier Dießem/Hardenberg.

Das SpieDie als Hundertwasser-Gebäude

Wie Hundertwasser das SpieDie umgestaltet hätte, wurde in einem späteren Projekt erarbeitet. Gebaut wurden dabei u.a. drei Modelle mit organisch abgerundeten Ecken, bunt gestaltet mit Zwiebeltürmen und Dachgärten obenauf. Vielleicht gibt es ja irgendwann mindestens eine Dachbegrünung auf dem Flachdach des SpieDie.

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