Conduction 2 mit Gunda Gottschalk

Von Gerd Rieger:

Die Geigerin Gunda Gottschalk beim Workshop UnerHört in Krefeld Conduction 2.

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„Wollt ihr Zeichen lernen oder lieber spielen?“, fragte Gunda Gottschalk aus Wuppertal beim Workshop UnerHört.
Es ist Wahlsonntag – nicht nur in NRW, sondern auch beim Werkhaus Krefeld. Die Teilnehmer.innen dürfen auch hier wählen. Sie waren mit dieser Eingangsfrage der Dozentin gleich gefordert, sich zu entscheiden. Jede Präferenz erfordere ein spezielles Vorgehen.
Die Antwort der Teilnehmer.innen war zu erwarten: alle wollen vor allem viel spielen.

Nun kann es für alle losgehen. Wie klingt die Gruppe?
Flächige Sounds erfüllen den Raum und alle versuchen, jedes einzelne Instrument wahrzunehmen, Rücksicht zu nehmen auf die Leisen und deutlich zu beginnen. Es wurde eine Klang-Architektur geschaffen. Alle weben und bauen an einem Gebilde, welches sich ständig wandelte. Es wird mal von vielen, mal von einzelnen vorangetrieben und getragen. Es durfte eine dynamische Vielfalt entstehen, jedoch waren keine Soli gewünscht und kein Rein- und Raus schleichen aus der Improvisation.
Und was sagen TN des Workshops: „ … Ihre (GG) Anleitungen zur freien Improvisation sowie die Fokussierung auf den Gruppensound fand ich besonders gewinnbringend.“

In einer weiteren Übung versuchte jede.r seinen Nachbarn im Duo herauszufordern. Der Partner sollte  durch schnelle Reaktionen möglichst unmittelbar auf die Vorgaben reagieren und vielleicht sogar die Vorgaben vorausahnen. Das schule die Reaktionsfähigkeit.
TN Kommentar: „Das Spiel eines anderen zu antizipieren – also nicht zu imitieren sondern zeitgleich mitzuspielen, kannte ich so nicht und sie (GG) hat mir neue Impulse für Improvisation und Spielhaltung gegeben.“
 
Besonders herausfordernd war folgende Solo-Übung: spiele etwas, was du noch nicht kannst und spiele mit deinen „Fehlern“, den Quietschern, dem Nicht-Gelingen–Wollenden. Überrasche dich selbst und sende das Klangergebnis direkt nach draußen. Spiele bewusst mit diesen Grenzen deines Könnens.  

Eine andere, sehr beliebte Übung soll hier genauer beschrieben werden: die Uhr. Jede.r Spieler.in wählt eine Zahl zwischen  1 -12. Die Arme einer/s Teilnehmerin zeigen langsam den Verlauf der Uhrzeit nach; zunächst beide gestreckt nach oben zeigt die 12. Dann wandert der Arm (Zeiger) langsam entlang des Körpers. Je nach einer vorher ausgesuchten Zahl spielt der/die TN eine kurze Aktion, einen Ton oder ein Geräusch. So entsteht eine kleine musikalische Miniatur, die durch die Schnelligkeit der Armbewegung und Richtung der „Uhrzeiger“ verändert werden kann.

Gunda Gottschalk geht es um die Vermittlung der Entwicklung einer optimalen Spielhaltung. Die Qualität der Musik ist als Kriterium entscheidend und die Zeichen dazu sind nur Hilfsmittel.

Immer wieder lockert Gunda Gottschalk das Spiel durch die Eingabe von Zeichen und Gesten auf und erzeugt dadurch einen abwechslungsreichen und kurzweiligen Ablauf. Loops, Memory, Wippe, Brille, Winkel, Schatten, Melodie, Punktklänge in verschiedenen Dichten und „Halbe Kraft‘. Diese Zeichen erfordern besondere Aktionen der Gruppe. Dazu sind Aufmerksamkeit und Schnelligkeit in den Antworten nötig. Missverständnisse können entstehen. Und Fehler dürfen sein! Durch diese „Fehler“-freundliche Spielhaltung erhielt der Workshop eine Fröhlichkeit und Leichtigkeit.
TN:  „Begeistert hat mich Gunda`s Gehör und so eine feine Geige zwischen uns… Mein Fazit: jeder Workshop eine gute Erfahrung und persönlicher Gewinn!“

Die Entwicklung einer geeigneten Spielhaltung, die Kenntnisse dieser Zeichen und das Üben damit sind für die Krefelder freie Improszene eine gute Vorübung für das Konzert im November, wo wir mit dem Wuppertaler Improvisationsorchester gemeinsam spielen werden.
Im Oktober haben wir  die Flötistin Angelika Sheridan eingeladen, die ebenfalls als Musikerin und Dirigentin im WIO spielt und als Lehrende viele Jahre Erfahrung mitbringt. Sie kann uns wieder neue Aspekte ihrer künstlerischen und pädagogischen Arbeit zeigen und Impulse zur freien Improvisation vermitteln.

Das war ein gelungener Tag, kurzweilig und mit einer großen Breite an Erfahrungen sowohl für Musiker.innen mit wenigen Vorkenntnissen als auch für erfahrene Improvisator.innen.
Wir haben an diesem denkwürdigen Tag richtig gewählt. Und wir bekamen beides: viel Spielen und die Kenntnis über den Einsatz von Zeichen und Gesten beim freien Improvisieren in einer fröhlichen, entspannten Atmosphäre.

Gefördert wird das Werkhaus-Projekt Conduction durch das

über

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