Next Alphabet Theaterlabor KIDS

WIE ES UNS GEFÄLLT

Wie kann ein Theater- und Tanzstück entstehen ohne Script, ohne Aufgabenstellung, also auch ohne Thema?

„Mit voller Wucht! Tanz trifft Theater“ hieß es in der Ausschreibung: “Wie es euch gefällt” sagt Shakespeare. Und “Die ganze Welt ist eine Bühne”. Wer war der Typ und stimmt das? Wir sprechen mit dem Körper, tanzen mit der Stimme, trainieren, toben, probieren aus. Solange, bis unser eigenes entsteht – wie es uns gefällt.

Zugegeben, damit wir haben ein Thema gestellt – das wurde aber ignoriert.

Die Antwort der Kinder stattdessen: Spielen, ungehemmtes Spielen.

Ein halbes Jahr Vorbereitung diente dazu, sich den Raum zu erobern, Spiel- und Zirkusgeräte auszuwählen und unsere Ansagen möglichst zu ignorieren.

Es hat geklappt. Zwei Wochen vor der Aufführung am 03.12.2025 am der große Spieltag. Im Theater würden wir es Durchlauf nennen, hier bedeutete es, dass alle Kinder spielen dürfen, die Musik läuft und die beiden Coaches Anna Brass und Andreas Simon, haben die Aufgabe zu protokollieren. Am Lichtpult: Eines der Kinder, das damit offiziell technischer Leiter dieser Produktion wurde.

Das entstandene Spiel bildete “das Stück”. Die beiden Coaches berieten die Kinder bezüglich Spacing und Dramaturgie. Zusätzlich zu den Bühnenelementen und Requisiten der Kinder (u.a. leuchtende Hocker, ein Trampolin, ein Balancierball) wurde im hinteren der Teil der Bühne ein weißer Vorhang gehängt, dahinter versteckt ein rollbares Podest – die Möglichkeit zum Perspektivwechsel, indem dem Publikum eine Szenerie aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt wird. Oder in Kinderaugen: einfach der größte Spaß.

Zwei Grundsatzfragen wurden relevant. Erstens: Wie kann etwas spontan Entstandenes repetiert werden, ohne an Frische und Lebendigkeit zu verlieren? Zweitens: Wie kann ein Spiel ungehemmt bleiben, wenn ein Publikum beobachtet?

Erste Antwort: So wenig Wiederholungen wie möglich – also eine Balance zwischen Sicherheit und Improvisation, aber ohne Routine. Und es gab Überraschungskisten. Zwei Kisten, aus den die Kids etwas herausnehmen konnten und dann in der Aufführung damit umgehen mussten. Ein Zurück gab es nicht.

Die Kostüme wurden während der Aufführung erst angezogen und waren vorher nicht bekannt. Das erste Kostüm aber durfte frei gewählt werden und so standen u.a. ein Rabe und eine Meerjungfrau-Hexe auf der Bühne und rezitierten Shakespeares „Die ganze Welt ist eine Bühne“ – ein kleiner Rest Thema als Rahmung des Stückes.

Die Zweite Antwort ist auch einfach: es geht nicht. Ein Publikum verändert immer allein durch die Anwesenheit das Spiel (Beobachtungsparadoxon – Hawthorne-Effekt).

Um das bewusst zu machen, gab es einen Raum, in dem die Kinder zwischendurch spielten und sonst niemand Zutritt hatte. Das Publikum konnte mit etwas Glück ein bisschen hören und sich so vorstellen, was da drin passierte.

Resultat: Ein aufregender, riskanter, lustiger, verrückter Abend.

Die Gruppe

Das Next Alphabet Theaterlabor KIDS sind Kinder zwischen 5 und 10 Jahren, die schon bei Next Alphabet mitgemacht haben, aus anderen Werkhauskursen kommen oder sich auf die offene Ausschreibung hin gemeldet haben. Teilweise sind es die jüngeren Verwandten von Teilnehmenden des ersten Theaterlabors, welche wiederum nach und nach dem Projekt entwachsen sind – ein Generationenwechsel, wobei der Nachwuchs eine ganz neue Farbe in die Arbeit gebracht hat.

Im Laufe des halben Jahres gab einige Wechsel, die Gruppe bestand dann final aus sieben Kindern, wovon eines leider bei der Aufführung krank war und eines im Laufe des Projektes hinter die Bühne gewechselt ist, den Umgang mit dem Lichtpult gelernt hat und schließlich selbstständig das Stück eingeleuchtet und gefahren hat.

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