nachtfrequenz26 – Der Prinz auf der Erbse

Klassiker: Die Lebensrealität von morgen! Machenschaften erkennen, sich wehren, gestalten, resignieren, kämpfen, Integrität bewahren.
Der Werkhaus e.V. hat sich über die Jahre als Krefelder Veranstaltungsort für die „nachtfrequenz – Nacht der Jugendkultur“ etabliert und unter der künstlerischen Leitung von Anna Brass und Andreas Simon zu einem Format der forschenden, performativen Arbeit von Jugendlichen entwickelt.
In den letzten Jahren hat sich dabei der Fokus auf den Umgang und die performative Auseinandersetzung mit Klassikern gelegt. Diesem Impuls folgen wir mit der entstandenen Projektreihe KLASSIKER – NEXT LEVEL. Diese beinhaltet die Arbeit an performativen Settings von und mit Jugendlichen, verortet im FREIraum21, Aufführungen im öffentlichen Raum – Beziehungsarbeit und Coaching als Einstieg und Einladung zum eigenständigen Arbeiten sind neben der künstlerischen Vermittlungsarbeit der Schwerpunkt unserer Arbeit im FREIraum21 allgemein und besonders in diesem Projekt.
“Der Prinz auf der Erbse”



Eine Performance – gesellschaftskritisch – selbstreflektierend.
Ein performatives Setting im FREIraum21 von und mit Jugendlichen aus der im Rahmen der „nachtfrequenz“ am Werkhaus entstandenen und etablierten Projektreihe KLASSIKER – NEXT LEVEL. Das war der thematische Ausgangspunkt in diesem Jahr.
Die Vorbereitung:
Das Projekt lief nach einem Vorbereitungstreffen im Juli über den ganzen September. Mit den 12 teilnehmenden Jugendlichen wurde ein Konzept für die Performance inhaltlich entwickelt und anschließend erprobt. Gemeinsame Treffen und Eigenarbeit im FRREIraum21 der Jugendlichen haben sich abgewechselt, ästhetische Schwerpunkte und Texte nach und nach gesetzt und schließlich geprobt.
Dabei war das Coaching zur Eigenverantwortung, selbständigen Organisation und Gruppenfindung ein wichtiger Bestandteil der ersten Erarbeitungsphase: Wer übernimmt die Verantwortung für die eigene Kleingruppe/Szene? Wo kann und will ich mich einbringen? Was will ich unbedingt erzählen? Wie einigen wir uns auf Texte und Inhalte? Wann muss ich wo sein? Was ist, wenn Leute krank sind? Wieviel Geld geben wir für Requisiten aus, was brauchen wir wirklich, was ist nachhaltig, was haben wir im Bestand?
Die Performance:
Zwei Dinge kristallisierten sich als Themen heraus.
1. Geschlechterrollen: Warum ist die Geschichte so anders, wenn die Geschlechterrollen getauscht werden? Warum sind best. Gefühle bei Prinzen stigmatisiert und bei Prinzessinnen ein Echtheitszertifikat?
2. Was ist eigentlich diese Erbse? Auf jeden Fall unbequeme Wahrheit – die Erbsen sind die Probleme dieser Welt.
Der ganze FREIraum wurde zum Spielort. Draußen wurde zum Einlass gezaubert, im Treppenhaus war Märchenstunde, im Souterrain Kino: „Erbsen Deal“ zeigte eine Welt, in der Erbsen verboten waren und deshalb heimlich angebaut wurden.



Tanz und ein Kronenkind auf 20 Turnmatten beschäftigten sich im Hochparterre in zwei Szenen mit Geschlechterrollen. In der ersten Etage war ein Raum voller grüner Luftballons, die wild durcheinanderwirbelten, eine begehbare Installation.



In der zweiten Etage wurde das hauseigene Radiostudio zum Schauplatz einer Radiosendung, die sich ebenfalls in der Szenerie des Geschlechterrollen-Tauschs mit „Männerrechten“ beschäftigt. Im Flur wurde zwischendrin Erbsen-Dosen-Werfen gespielt – mit leichtem Ball auf volle Dosen – das kann nicht klappen: wer verliert, bezahlt mit Liegestütz oder kauft sich frei.



Der Ausblick:
Eine KlassikerNacht zwischen Revolution und leisem Aufmerken. Doch das Thema ist noch lange nicht erschöpft. Die Gruppe wird weitermachen. Die Aufführung ist geplant für den 3. Dezember.

Fotos: Luana Angona, Anna Brass




