Nachbarn :: Türkei

Eine Veranstaltungsreihe im Herbst 2016

Vom 23.10 bis zum 11.11.2016 gab es im Südbahnhof mit dem Label Von Kultur eine Spur eine kleine Serie von Veranstaltungen, die sich mit Aspekten der Kultur unserer Nachbarn aus und in der Türkei auseinander gesetzt hat. Wir werden diese Serie fortsetzen, auch das ein Grund, warum wir sie als erste in unserem neuen Museum präsentieren.

Kern der Veranstaltungen war die Ausstellung turkish flags, deren KünstlerInnen und Werke auf dieser Seite noch einmal gelistet werden. Begleitend wurden drei Kulturtechnikwerkstätten in Kooperation mit Flüchtlingsrat Krefeld e. V. angeboten; ein Schrift(ex)kurs, ein Bild(ex)kurs und ein Wort(ex)kurs. Über die Arbeit in den Werkstätten konnten formal-ästhetische und technische Grundlagen erfasst und in einem offenen Diskurs erlebbar gemacht werden.

Aus aktuellem Anlass gab es außerdem ein Kamingespräch: Was war das für ein Putschversuch in der Türkei? Der Versuch einiger Militärs, ihre Privilegien zu retten? Der Versuch der „Gülen-Bewegung“ Erdogan auszuschalten? Oder gar ein „Geschenk Allahs“, an dem der Geheimdienst nicht unbeteiligt war?

In kleiner, moderierter Runde fanden wir Gelegenheit über die Situation in der Türkei zu sprechen. Als Experte war Yunus Ulusoy von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung geladen, der mit einigen seiner Statements durchaus für Aufreger sorgte. Harry von Bargen übernahm die Gesprächsführung und sorgte für eine interessante und faire Diskussion.

Alle Ankündigungen zu den Veranstaltungen der Serie können hier nachgelesen werden.

Gerne könnt Ihr uns Eure Erinnerungen an Ausstellung und Veranstaltungen über die Kommentarfunktion dieser Seite mitteilen – vielleicht habt Ihr auch Anregungen zur Fortführung der Reihe.

Die Ausstellung „turkish flags“

In der Ausstellung wurden natürlich keine Nationalflaggen gezeigt, sondern schräge, digital und schwarz auf weiß auf Fahnenstoff gebannte Arbeiten. Mit klarer, ästhetischer Sprache präsentierten sich drei Generationen türkischer Grafiker*innen. Die Künstler*innen stehen für eine vielfältige, aufgeschlossene und offene Gesellschaft. Solidarische Aussagen gegenüber Minderheiten, frauenbezogene Themen, ironische Aussagen bezüglich Sexualität, Aussagen über religiöse Prägung und politische Fragestellungen treten auf direkte Art mit uns in Kommunikation. Arbeiten, die ursprünglich in unterschiedlichen Formaten und auf unterschiedlichen Medien entstanden, präsentieren wir als Reproduktionen auf Textilfahnen.

In Zusammenarbeit mit slanted magazine ist diese ungewöhnliche Präsentation entstanden, die durch Interviews, die slanted magazine 2013 mit der Kunst- und Designszene Istanbul geführt haben, ergänzt wird. Hintergrundinformationen zu den Kunstschaffenden und deren Motiven waren auf Texttafeln nachlesbar.

Arbeiten und Künstler der Ausstellung:

Yurdaer Altıntaş, Istanbul (TR) / yurdaeraltintas.com
Yurdaer Altintaş, geb. 1935 in Istanbul. 1957 Abschluß an der Akademie der schönen Künste Istanbul/Istanbul Academy of Fine Arts. Als erster türkischer Graphik-Designer eröffnete er 1968 seine erste Einzelausstellung. Seine Werke sind weltweit in Museen und Archiven zu finden: Schweiz, Polen, Frankreich, USA. Er unterrichtet an der renommierten Işık University Faculty of Fine Arts. Das Filmplakat bewirbt ein jährlich stattfindendes Istanbuler Filmfestval, in diesem Fall F. W. Murnau, gewidmet. Safak heißt Morgendämmerung/Sonnenaufgang.

Yetkin Başarır, Istanbul (TR) / yetkinbasarir.com
Überall in der Türkei stößt man auf Logos und visuelle Identitäten, die von diesem Graphikdesigner entworfen wurden. Hier das Logo für einen Verlag. Er lehrt Typographie und hat den Schriftschnitt „Kent“ entwickelt. Auch das Logo für den Stadtteil Beyoglu stammt von ihm. Seit 1985 wurde Başarır viele Male international ausgestellt und ausgezeichnet – auch in zeitgenössischer Kunst. Zur Zeit ist er als Kreativ-Dirketor bei I-AM in Istanbul tätig. Er ist aber auch Musiker. Uns so kommt von ihm die Sonderedition „Istanbul“ mit Schallplatte, die in der Ausstellung auf einem Kofferplattenspieler abgespielt werden wird.

Savaş Çekiç, Istanbul (TR) / savascekicdesign.com
1960 geboren und mit Abschluss im Bereich Grafikdesign der Mimar Sinan Fine Arts University. Die Univesität wurde 1882 durch den berühmten Maler und bedeutenden Archäologen Osman Hamdi Bey als „Schule der schönen Künste und Architektur“ gegründet. Sie war die erste ihrer Art in der Tükei und ist seit 1914 koedukativ (gemeinsamer Unterricht von Mädchen und Jungen). Der Grafikdesigner und Illustrator Savas Çekiç hat 1987 sein eigenes Studio mit den Fachbereichen Verpackung, corporate identity, Buchdesign und Illustration gegründet. Er war Designberater für die Istanbul Metropolitan Municipality City Theater und die Bakırköy Municipality Theater, Mitglied der türkischen Vereinigung Grafikdesign und lehrte an der Marmara University. Seine Plakatkunst wurde weltweit gezeigt und ausgezeichnet. 2010 war er Kurator und Direktor der ersten Marmara University International Invitational Poster Biennial. Seine Arbeiten sind in wichtigen Museen wie dem Lahti Museum, dem Ogaki Museum, dem Dansk Plakat Museum und dem Zurich Poster Museum (Museum für Gestaltung, Zürich) ausgestellt worden. Er ist Herausgeber des Magzin „No design“ und spezialisiert auf dem Gebiet des social design.

Burak Delier, Istanbul (TR) burakdelier.wordpress.com / pilotgaleri.com
geboren 1977 in Adapazarı. Er lebt und arbeitet in Istanbul und beschäftigt sich mit Vorstellungen über Freiheit, Spontanität, Improvisation und Kreativität. Seiner Überzeugung nach entsteht Freiheit aus Unentschlossenheit, Spannung und Anliegen und kann nicht das Ergebnis eines vorbestimmten Skripts sein. Delier promovierte (PhD) im Bereich Kunst und Design an der Yıldız Teknik University. Seine Texte über Kunst und Politik wurden in türkischen Magazinen wie Mesele, Natama, Sıcak Nal, Siyahi und Art-ist veröffentlicht.

Elif Varol Ergen, Ankara (TR) / elifergen.com
Die 1977 geborene zeitgenössische Illustrationskünstlerin und Grafikdesignerin macht auch Gemälde und digitale Zeichnungen. Sie hat an der Hacettepe Universität in Ankara Grafikdesign studiert. Sie nimmt an internationalen Kunst- und Design-Ausstellungen teil. Ihre erste Einzelausstellung wurde in der CDA projects Gallery in Istanbul gezeigt. Ihre Arbeiten und Interviews wurden in internationalen Kunstmagazinen veröffentlicht. Ohne Titel ist ihre digitale Collage aus einer Tuschezeichnung, die Verletzungen der kindlichen Seele zu thematisieren scheint.

Mehmet Gözetlik, Istanbul (TR) antrepo4.com / mehmetgozetlik.com
Mehmet Gözetlik ist ein multidisziplinärer Designer und Gründer der Agentur Antrepo. Seine Arbeiten wurden in internationalen Publikationen gezeigt und seine Projekte bei der Beijing International Design Triennial mit Designern wie Zaha Hadid, Marc Newson und Philippe Starck gezeigt. Seine Limited Edition artworks, Kunstwerke mit begrenzter Auflage, die er über Internet-Marktplätze vertreibt, haben Aufmerksamkeit von Sammlern aus aller Welt erhalten.

Barbaros Kayan, Istanbul (TR) / www.barbaroskayan.com
Barbaros Kayan hat sein Studium des Visuellen Kommunikationsdesign der Istanbuler Bilgi-Universität mit Auszeichnung absolviert. Er ist Dokumentations-Fotograf und Mulitmedia-Künstler. Er beschäftigt sich mit sozialem Geschehen und Staatspolitik und bewegt sich in und mit seinen und für seine Arbeiten auf den Straßen. Realität benutzt er als ein Mittel. Mit seinen Vorlieben für Farbe, Sättigung und Momentaufnahmen versucht er die Existenz der Autorenschaft zu verstecken. Kayan stellte seine Fotografien bei verschiedenen Galerien und Biennalen aus. Er ist Mitbegründer und Herazsgeber vom MOKU. Seine Fotos findet man in Time, Le Monde, Le Figaro, The Guardian und im Istanbul Modern Art Museum. Seit 2012 arbeitet er fortgesetzt mit gemeinnützigen Organisationen.

Şükran Moral, Istanbul (TR) sukranmoral.com
Şükran Moral lebt und arbeitet in Istanbul und in Rom. Sie ist eine der international bekanntesten zeitgenössischen Künstler/innen. Ihre Werke beschäftigen sich mit Einschränkungen und Unterdrückung von Frauen. Sie führt eine doppelmoralische, türkische Gesellschaft vor.

Merve Morkoç, Istanbul (TR) / galerist.com.tr
Merve Morkoç wurde noch während ihres Grafik Design Studium an der Mimar Sinan Fine Arts University in zahlreichen Galerien ausgestellt. Ihre Gemälde sind inspiriert von allem, was sie wahrnimmt: Internet, Straßen, Galeriewände. Dazu gehört auch ihre Begeisterung für animierte Figuren, Werbung und auch für erzählerische Ausdrucksweisen städtischen Ursprungs, die sie umgeben. Morkoçs hat die Fähigkeit, faszinierende Erzählungen zu kreieren, während sie die charakteristische Distanz zum Betrachter bewahrt. Ihre Aussage ist die Gewährleistung der Gegenwärtigkeit von street art mit all ihrer Lebendigkeit. In Bezug zu ihren Wandmalereien sagte sie:“…Eine unbegrenzte Präsenz ist nicht meine Absicht. Eigentlich ist nur wichtig, an diese Wand malen zu können..“ Merve Morkoç ist 1986 geboren. Der Bildtitel „Petek“ übersetzt „Wabe“ bewirbt den Namen eines Schriftfonts und weist auf die Doppelbedeutung „Wabe“ sowie den häufig vergebenen türkischen Mädchennamen „Petek“ hin.

Ahmet Özcan, Mersin (TR) / ahmetozcan.tumblr.com
Ahmet Özcan wurde 1985 geboren. Sein Grafik-Design-Studium absolvierte er an der Fine Arts Faculty of Mersin University. Mit seinen Kompositionen und Charakteren möchte er die Gewohnheiten und tägliche Existenz von unwirklichen Leben zeigen, die man auch als Monster bezeichnen könne.
Sie würden die Aufmerksamkeit eines von der Wirklichkeit gelangweilten Publikums zu einem neuen Planeten lenken, der wiederum zu fürchterlich ist um Alternative oder auch Nicht-Alternative zu sein. Der Künstler betont keine idealen Räume herstellen zu wollen.

Şener Özmen, Diyarbakır (TR) / pilotgaleri.com
Der aus der kurdischen Provinz Diyarbakir stammende Künstler Sener Özmen wurde 1971 geboren und lebt und arbeitet in Diyarbakır. Er studierte Malerei an der Fakultät für Bildung Çukurova Universität. Er hat verschiedene Einzelausstellungen gemacht und an vielen Gruppenaustellungen teilgenommen. Mit beißender Ironie, brilliantem Humor, einer klaren ästhetischen Sprache und einer ausgesprochenen und provokativen, kritischen Haltung hinterfragt er die Gewissheit über herrschende Bedingungen und Situationen, autoritäre Strukturen und bestehende Tabus.

Engin Öztekin / enginoztekin.com
Engin Öztekin ist heutzutage als Artdirektor tätig, bleibt aber weiterhin Designer. Er besuchte die Suleyman Demirel University. 2009 eröffnete er seine erste Ausstellung Außerdem nahm er an einer Gruppenausstellung in Paris teil. Immer wieder wurde er in Design –und Werbung-Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet

Ali Taptık, Istanbul (TR) / alitaptik.com
Dieser Künstler ist Fotograf und Doktorand in Architektur Design an ITU (Technische Universität). Er arbeitet an Themenstellungen wie Repräsentation städtischer Landschaft und Architektur oder dem Verhältnis des Individuums im Bezug zum städtischen Umfeld. Aus der Zusammenarbeit mit Fotografie-Instituten zur Dokumentation Istanbuls entwickelte sich die Herausgabe von verschiedenem Kunstbüchern. Taptık ist Gründungsmitglied von Bandrolsüz, eines Kollektiv für den Vertrieb unabhängig veröffentlichter Kunstbücher.

Mehmet Ali Türkmen, Istanbul (TR) / matistanbul.net
Mehmet Ali Türkmen hat sein Studium an der Akademie der schönen Künste der Marmara University in Istanbul 1990 abgeschlossen. Er hat sich an nationalen wie internationalen Ausstellungen beteilgt, machte Einzelausstellungen und gab Grafik-Design Seminare. Er ist Mitglied beider Grafikdesignorganisationen: der GMK (Türkische Gesellschaft für Grafikdesign) seit 1988 und der AGI (Alliance Graphique Internationale) seit 2009. Seine Istanbuler Agentur heisst MAT Design.

Haluk Tuncay, Istanbul (TR) / haluktuncay.com
Tuncay, geboren 1958, hat den Abschluss der Istanbuler Staatsakademie der schönen Künste, heutzutage Mimar Sinan Fine Arts University, applied Industrial Arts School, Graphic Design Department in 1980. Seit 1979 hat er in verschiedenen Werbeagenturen als Art-director und Grafikdesigner gearbeitet. Er hat an nationalen und internationalen Ausstellungen teilgenommen und ist in Garfik-Veröffentlichungen präsent. ER erhielt viele Auszeichnungen und war als Jury-Mitglied in Design-Wettbewerbe involviert. Seit 1994 hat er an der MSGSU (Mimar Sinan Fine Arts University) gelehrt.

Büşra Üzgün, Istanbul (TR) behance.net/busra/ busrauzgun.tumblr.com
Büşra Üzgün ist eine 24 Jahre alte Grafikdesignerin und Illustratorin. Sie spielt Schlagzeug bei plaj, einer türkischen Indie- Band. Ihre Illustration ist für eine Schriftfont namens Lokum enstanden. Lokum ist eine türkische Süßigkeit auf Basis eines Sirups aus gelierter Stärke und Zucker. Das Wort Lokum leitet sich von lokma ab, was so viel wie „Happen, Bissen“ bedeutet.

turkish flags

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