Bangemachen gilt nicht!

Ein Aushang auf dem Spielplatz warnte vor einem Element, das im Umlauf sei. Der Text stellte einen Stoff vor, der zur Bodenerosion und zum Treibhauseffekt beitrüge. Er sei als sogenannte Hydroxylsäure Hauptbestandteil von saurem Regen. Er beschleunige Korrosion und den Ausfall von elektrischen Anlagen. Zuviel davon eingenommen, könne er zu verschiedenen unschönen Auswirkungen führen. Längerer Kontakt damit bewirke in festem Zustand schwere Gewebeschäden. Schon in kleinen Mengen eingeatmet, könne er zum Tode führen. In gasförmigem Zustand könne er schwere Verbrennungen hervorrufen. Bei Süchtigen führe ein Entzug innerhalb von wenigen Tagen zum sicheren Tod. Dennoch würde er bisher noch von keiner Regierung verboten und wird weltweit von der Industrie für Produkte genutzt.

Die Rede ist von der chemischen Verbindung „Dihydrogenmonoxid“, kurz DHMO. Die Bezeichnung suggeriert den Gedanken: „Bah, Igitt was ist denn das für ein Zeug?“ oder „Gefährlich, gefährlich!“. Bei Nachforschungen im Internet, zur Vorbereitung einer Aktion, war man auf den ironisch eingesetzten Begriff gestoßen der uns, des altgriechischen nicht mächtigen Leser, veräppelnd ängstigen soll. Der Stoff, bei dem es sich in der Sommerferienaktion gehen sollte, ist ein für unser Überleben sehr wichtiger, handelt es sich doch um H20. So, in der korrekten Formelsprache ausgedrückt, also um Wasser.  Der Aushang sollte die älteren Einrichtungsbesucher etwas verulkend auf das Thema der stattfindenden Aktion aufmerksam machen.

Die SpieDie-Sommerferienaktion „Aquamorphose“ beschäftigte sich so schon 2015 mit dem Thema Wasser. Ein Schild mit der Warnung „Achtung Dihydrogenmonoxid!“ war auch während der Aktion an einem mit Regenwasser gefülltem Erdloch im Sandspielbereich angebracht. Aspekte der umgestaltenden Wandlung des Elements standen dabei im Vordergrund der Aktion. Gleichzeitig flossen Informationen über das lebenswichtige Element in die Betrachtung ein und Modelle entstanden, die die Verschmutzung der Meere darstellten. Ironischer Weise wurden auch Quallen aus Plastikfolie gebastelt, die in den Bäumen aufgehangen, sich im Wind leicht bewegend, wie echt wirkten. Man weiß, im Meer wirkt Plastikfolie so, dass beispielsweise Wale in die Irre geführt, Plastik als Qualle wahrnehmen, es fressen und elendig daran zu Grund gehen können.

Verdeutlicht wird die Gefährdung des Elements durch die seit nunmehr anderthalbjähriger intensiver Beschäftigung mit dem Thema durch den Werkhaus e. V. Die Gefährdung geht also nicht von der Verbindung DHMO aus – auch wenn das Element zu Rost führt, in Form von heißem Dampf für Verbrennungen sorgen kann usw. – sondern vom Menschen.

Kinder der Ferienaktion im SpieDie konnten also fröhlich im Dihydrogenmonoxid-Pool planschen. Was für ein Gaudi in „Neptuns Tümpel“! Versteckt auf dem SpieDie-Gelände angemalt, können heute noch kleine Fische als Zeichen der Aktion „Aquamorphose“ gefunden werden. Wo? Na, mal suchen gehen!


Geheimes SpieDie ist eine Geschichten-Reihe von Helmut Boeck, langjährigem Mitarbeiter des Werkhaus e. V. und ehemaligem Leiter des SpieDie- Er erinnert sich und lüftet „Geheimes“, macht in lockerer Berichterstattung Verborgenes sichtbar. Wer noch weitere Geschichten auf Lager hat, kann sich bei uns melden.

Teile diesen Beitrag (ggf. AdBlocker anhalten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.