Oase im Häusermeer

Chronologisch geht es nun weiter in den Geschichten seit der 12. Story über das SpieDie. Eigentlich wollten Eltern und andere Bürger aus dem Viertel, die sich im Verein „Spiel- und Begegnungsort“ zusammengefunden hatten, das beschriebene Brachgelände in Eigenarbeit zum Spielplatz herrichten. Verschiedene erstellte Pläne lagen schon vor. Die Zeit bis zur Baugenehmigung verging allerdings und das Durchhaltevermögen der Bürger wurde hart auf die Probe gestellt. Die Stadt Krefeld nahm sich der Sache an, u. a. auch, da Einsprüche von Nachbarn ausgeräumt oder durch Zusicherungen von zusätzlichen Baumaßnahmen ausgeglichen werden mussten. Nachdem endlich alle Widrigkeiten ausgeräumt werden konnten, begannen 1991 die Arbeiten auf dem Gelände.

Spielplatz im Bau

Arbeitslose junge Männer rückten an und begannen, den Platz zum Spielplatz herzurichten. Die Sache war nicht so einfach, aber der Anleiter der Truppe, Franz Jösch, meisterte mit Bravour alle Schwierigkeiten und überwand gegebene Hindernisse. Dabei halfen sicherlich auch Fachfirmen z. B. beim Abriss der Ruine (12. Geschichte) und der Baracken. Nur der abgeschrägte Bomben-Schutz-Ausstieg, angelehnt an das Nachbarhaus, aus dem 2. Weltkrieg, direkt hinter der Eingangsmauer, ist von der Ruine noch übriggeblieben. Am „Spukschloss“ (13. Geschichte) übte auch das THW und half so beim Abbruch des Schuppens mit. Sandbereiche wurden angelegt, Leitungen verlegt, Spielgeräte montiert und eine Begrünung vorgenommen. Übrigens die Eichen auf dem Platz standen vorher auf dem Schinkenplatz, mittlerweile sind sie dick und hochgewachsen. Nur der Baum vor dem kleinen Haus wuchs nicht richtig an und musste ersetzt werden, sieht man auch, er ist dünner. Langsam entstand, dank der Bau-Truppe, ein schöner – wenn auch konventioneller – ca. 3000 qm großer Spielort im Viertel. Alle Steingebäude blieben bestehen, wurden aber verschlossen. Nur der hintere Teil der Halle (heute ungefähr der Bühnenbereich) wurde zum Spiel geöffnet und mit zwei Betontennisplatten ausgestattet.

Halle als Lagerplatz für den Rutschenturm

Neben anderen Bürgern setzte sich Gerhard Ritters († 2011) von der gegenüberliegenden gleichnamigen Schlosserei sehr für den Bau des Platzes ein.

Endlich konnten er und sein Sohn Martin Ende März 1993 den OB Krefelds, viele Kinder und neugierige Erwachsene auf dem Spielplatz zur offiziellen feierlichen Eröffnung begrüßen. Die Werkhäusler übernahmen auf dem Fest die Betreuung der Kinder, die nun zum ersten Mal auch den über drei Meter hohen Rutschenturm beklettern konnten.

Die Rutsche war eine der höchsten freistehenden Rutschen in Krefeld. Zum Leidwesen der Kinder fiel sie, ebenso wie die vielgenutzte 6er-Schaukel, später auf Grund von neuen Sicherheitsnormen einer 2016 durchgeführten Sanierung zum Opfer. In den Jahren bis zu dieser Sanierung war auch ein dichter Buschbestand herangewachsen, in dem die Kinder Trampelpfade angelegt hatten und in dem man sich wunderbar verstecken konnte. Fast alles musste gerodet werden und der Platz verwandelte sich, modernisiert, eher in eine geordnete Parkanlage. Jedenfalls ist er nun für eine Aufsicht einfacher gestaltet. Vielleicht werden in Zukunft ja noch mehr Büsche gepflanzt, die dann über die Jahre wieder dichter werden und für mehr Natur in der Stadt sorgen.


Geheimes SpieDie ist eine Geschichten-Reihe von Helmut Boeck, langjährigem Mitarbeiter des Werkhaus e. V. und ehemaligem Leiter des SpieDie- Er erinnert sich und lüftet „Geheimes“, macht in lockerer Berichterstattung Verborgenes sichtbar. Wer noch weitere Geschichten auf Lager hat, kann sich bei uns melden.

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