29. Grüner Salon Krefeld – Iran-Krieg und Antisemitismus in der Diskussion
Am 7. Juli wurde im Grünen Salon über einen Brennpunkt der Weltpolitik gesprochen. Über den aus westlicher Sicht ‚Nahen Osten‘, der durch den Angriffskrieg von USA und Israel im Februar, mit tausenden Opfern auch zum Krieg um die für die Weltwirtschaft bedeutsame Strasse von Hormus zu einem Konflikt grossen Ausmaßes geworden ist.

Vize-Landtagspräsidentin Berivan Aymaz MdL und die Iran-Sprecherin der Hilfsorganisation Haward.help, Mariam Claren, gaben sachkundige Informationen über die Hintergründe des Krieges – die neben den israelischen Interessen zwischen Existenzrecht und Eigeninteressen der israelischen Regierung auch das Ringen der USA um Vorherrschaft in der Region und die Verteidigung gegenüber dem Erstarken Chinas widerspiegeln. Dass der Verlauf des völkerrechtswidrigen Krieges dem unterdrückten iranischen Volk nicht nur nicht geholfen, sondern das Regime eher gestärkt und aggressiver gemacht hat, darüber waren sich die Gesprächspartnerinnen, die zahlreiche Beispiele dafür einbrachten, einig.

Die Veranstaltung wurde mit zwei eindrucksvollen und berührenden Gedichten von dem seit drei Jahren in Krefeld lebenden Schriftsteller und Lyriker Soorosh Mozaffar Moghadan eröffnet, eines davon sich beschäftigend mit den Massendemonstrationen und Massakern vom Januar dieses Jahres. Die Iranische Jornalistin Maryam Gheiji ebenfalls seit drei Jahren im Krefelder Exil – beleuchtete in ihrem Beitrag Facetten des aktuellen Alltagslebens im Iran, den obrigkeitsstaatlichen Zwang, die Ängste vor der Staatsgewalt aber auch das weiter existieren der Opposition. Und die Zuversicht, dass der Kampf von Frauen, Leben, Freiheit weitergeht und letztlich Erfolg haben wird.
Über die im Schatten des Nahost-Konfliktes in Deutschland starke Zunahme antisemitischer Vorfälle berichtete Sandra Franz, Historikerin und Jiddistin, seit 2018 Leiterin der NS-Dokumentationsstelle in der Villa Merländer. Sie wies auf die Entstehungsgeschichte des Staates Israel hin, den Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden durch das Nazi-Deutschland. Aber auch darauf, dass die europäischen Staaten wie auch die USA damals den Jüdinnen und Juden nur sehr begrenzt Zuflucht boten. Und dass Israel seit seiner Gründung um sein Existenzrecht kämpfen muss. Was allerdings keine Verteidigung von Kriegsverbrechen im Gaza oder des Siedlungsbaus im Westjordanland sein kann.
Dem Publikum wurde eine Fülle an sehr authentischen Informationen geboten. Die abschließende Diskussion fokussierte allerdings weniger auf die Fragen zum Iran-Krieg, als auf Israels Gaza-Krieg. Dazu meldeten sich unter anderem auch Vertreter*innen der Palästina-Mahnwachen zu Wort, die einforderten, Israel bei Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen nicht besonders nachsichtig, sondern wie jeden anderen Staat auch zu behandeln. Dass dies mit Antisemitismus zu tun habe, wiesen sie zurück.
Es gab aus dem Publikum auch Kritik an der Zusammensetzung des Podiums: eine Stimme der Palästinenser*innen fehle. Die Begründung mit dem Fokus des Grünen Salons auf den Iran-Krieg, wurde so aus dem Publikum nicht gänzlich akzeptiert. Sichtbar wurde, wie schwierig es ist, ein solch komplexes und emotional aufwühlendes Thema zu behandeln.
Gleichwohl erlebten wir einen äußerst informativen Abend mit hervorragenden Podiumsteilnehmerinnen und ein engagiertes Publikum, mit der Bereitschaft zu einem kontroversen Diskurs. Danke auch für die zahlreichen positiven Rückmeldungen im Nachhinein.
Wir freuen uns auf den nächsten, dann den 30., Grünen Salon in Krefeld im Südbahnhof und sind gespannt auf diese Jubiläumsveranstaltung.


Der Grüne Salon ist ein Format der Heinrich Böll Stiftung NRW in unterschiedlichen Städten

