Eine Reise zur 13. LOSCON-Kulturpreis-Verleihung nach Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder)/Krefeld. “Es gibt Partnerschaften zwischen Städten und Regionen, die auf dem Papier bestehen. Und es gibt solche, die durch Menschen, Kultur und persönliche Begegnungen mit Leben gefüllt werden. Die seit 1990 bestehende Partnerschaft zwischen Krefeld und dem Landkreis Oder-Spree (vormals Landkreis Beeskow) gehört zu dieser zweiten Kategorie”, stellte Peter Könen bei seinem jüngsten Besuch im Krefelder Partnerkreis fest. Dort nahm er für den Krefelder Werkhaus e.V., der sehr eng in den Kulturaustausch zwischen Ost und West eingebunden ist, an der Verleihung des 13. LOSCON-Kulturpreises 2026 im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) teil. Der 13. Preis der LOSCON Kulturstiftung für Ostbrandenburg ging in diesem Jahr an Hans-Jürgen Rehfeld – einen Mann, der wie kaum ein anderer für die kulturelle Geschichte der Universitätsstadt an der Oder steht. Die Laudatio hielt Dr. Wolfgang de Bruyn, der vormalige Leiter des Museums. Für die musikalische Begleitung sorgte die Berliner Jazz-Legende Hannes Zerbe am Klavier.

Im Bild (v.l.n.r.): Heinz Lassowsky (Vorstandsvorsitzender der LOSCON Kulturstiftung), der Preisträger Hans-Jürgen Rehfeld, der Geschäftsführer der LOSCON Stiftung, Kulturminister a.D. Herbert Schirmer, der Laudator Dr. Wolfgang de Bruyn und Peter Könen vom Krefelder Werkhaus e.V.

„Hans-Jürgen Rehfeld ist seit Jahrzehnten Teil der Frankfurter Kulturszene”, wie Dr. Wolfgang de Bruyn, Sohn des Schriftstellers Günter de Bruyn, in seiner Laudatio bei der Preisverleihung ausführte. Sein Weg führte ihn von der Fachschule für Bibliothekare in Leipzig über die Stadt- und Bezirksbibliothek Frankfurt (Oder), wo er den Jugend-Literatur-Club mitbegründete, über Stadtarchiv und Haus der Künste bis zur Bücherstube des christdemokratischen Union Verlages. Seine wohl prägendste Wirkungsstätte wurde schließlich das Kleist Museum. Doch sein kulturelles Engagement endete nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand. “Als gefragter Stadtführer, als Mitherausgeber der Frankfurter Buntbücher und zuletzt bei der systematischen Erfassung der Bibliothek aus dem literarischen Nachlass Günter de Bruyns im Günter-de-Bruyn-Haus in Beeskow trägt Hans-Jürgen Rehfeld dazu bei, kulturelles Wissen zu bewahren und zugleich öffentlich zugänglich zu machen”, wie Heinz Lassowsky als Vorstandsvorsitzender und Herbert Schirmer als Geschäftsführer der LOSCON Kulturstiftung anlässlich der Preisverleihung unterstrichen. Gerade darin liege die besondere Bedeutung dieses Preises: “Er würdigt nicht nur eine einzelne kulturelle Leistung, sondern langjähriges, oft stilles und dennoch prägendes Engagement für eine Region und ihre kulturelle Identität.”

Peter Könen zeigte sich dankbar, dass er im Rahmen des Kulturaustausches zwischen dem Landkreis OderSpree und der Stadt Krefeld für den Krefelder Werkhaus e.V. als Gast aus der Partnerstadt Krefeld teilnehmen konnte. Das habe auch mit einer kulturellen Verbindung zu tun, die auf der Basis des Kulturabkommens zwischen dem Landkreis Oder-Spree und der Stadt Krefeld auch in Krefeld in vielfacher Weise sichtbar geworden sei. So habe die LOSCON-Kulturstiftung durch finanzielle Förderung und Unterstützung mehrere Kunstausstellungen und Kulturveranstaltungen im Krefelder Südbahnhof ermöglicht. Dazu gehörten beispielsweise die Ausstellungen ‘Schichtwechsel’ und ‘Seitenwechsel’ sowie die Veranstaltung ‘Kultur ist Trumpf’, die von Herbert Schirmer, der als ostdeutscher Kulturmanager die kulturelle Landschaft in Ostbrandenburg über Jahrzehnte geprägt hat, konzipiert und in der Kreisstadt Beeskow, der kreisfreien Stadt Krefeld sowie in der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens, mit der der Landkreis OderSpree ebenfalls eine Partnerschaft unterhält, gezeigt wurden.

So schließt sich ein Kreis: Eine Kulturstiftung aus Ostbrandenburg unterstützt Kulturarbeit in Krefeld und fördert in Kooperation mit dem Krefelder Werkhaus e.V. den Austausch von Menschen, Meinungen und Informationen zwischen Ost und West. Und vielleicht ist genau das auch die eigentliche Stärke von Städte- und Regionalpartnerschaften. Sie bestehen nicht nur aus offiziellen Delegationen, Sitzungen und Urkunden. Sie leben von den Menschen, die Verbindungen herstellen, Ideen austauschen und Türen öffnen, wie Heinz Lassowsky, Herbert Schirmer und Peter Könen, die Anfang bis Mitte der 1990er Jahre zu den Mitbegründern der kommunalen Partnerschaft und des Kulturabkommens zwischen der niederrheinischen Stadt Krefeld und dem ostbrandenburgischen Landkreis Oder-Spree gehörten.

Der von dem Unternehmer und Stiftungsgründer Heinz Lassowsky aus der Kreisstadt Beeskow initiierte und finanzierte LOSCON-Kulturpreis macht dabei etwas sichtbar, das im Alltag leicht übersehen wird: Kultur entsteht nicht allein in großen Institutionen. Sie wird von Menschen getragen, die über Jahrzehnte sammeln, bewahren, vermitteln, organisieren und immer wieder andere für Literatur, Kunst und Geschichte begeistern. Der diesjährige Preisträger Hans-Jürgen Rehfeld steht dafür in besonderer Weise. Und vielleicht ist es deshalb auch ein passendes Signal, dass die Begegnung im Kleist-Museum stattfand. Heinrich von Kleist gehört zu Frankfurt (Oder), aber seine Literatur kennt ebenso wie gute Kulturarbeit keine Kreis- und Stadtgrenzen; sie reist von Frankfurt an der Oder nach Krefeld am Niederrhein – und manchmal bringt sie Menschen zusammen, die sich ohne sie vielleicht nie begegnet wären.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert