Anker werfen mit FREIraumsausen

Unter dem Motto „Staunen. Horchen. Selber machen.“ fanden 2022 im FREIraum21 sechs große und sechs kleine freiraumSAUSEN, sowie zwei OrgaSAUSEN statt. Dabei gab es zwei dreimonatige Blöcke – einen Sommerblock (April-Juni) und einen Herbstblock (September-November) – in denen jeden Monat sowohl eine kleine als auch eine große SAUSE angeboten wurden. Die zwei OrgaSAUSEN dienten zu vorbereitenden Gesprächen mit den verschiedenen Künstler*innen und zur Öffentlichkeitsarbeit.

Der Eintritt zu den SAUSEN war frei.

Die kleinen SAUSEN waren als offener Kunst- und Kulturtreff für Familien angelegt, in denen verschiedene Workshops zum Mitmachen einluden. Sowohl im Sommer, als auch im Herbst gab es jeweils eine kleine SAUSE zum Thema Tanz, eine zum Thema Theater und eine zum Thema bildende Kunst. Angeleitet wurden diese von der Tanzpädagogin Didem Günel, den jungen Theaterfrauen Liz Huhnen und Mara Eggemann (begleitet von der Theaterpädagogin Anna Brass), sowie der Illustratorin Olga Covaliova.

In den großen SAUSEN zeigten die eingeladenen Künstler*innen zunächst Ausschnitte aus ihrer künstlerischen Arbeit. So kam das Publikum in den Genuss eines Theaterstücks, eines Percussionskonzertes, eines Tanzsolos, einer Kunstinstallation, eines Sazmusik-Konzerts und einer Performance. Anschließend luden die Künstler*innen ihr Publikum ein, selbst aktiv zu werden und sich künstlerisch auszuprobieren.

Mit der Schauspielerin und Regisseurin Anna Brass flogen die großen und kleinen Zuschauer*innen nach Nimmerland, der sri-lankische Musiker Shan Devakuruparan nahm sein Publikum mit in die Welt der traditionellen tamilischen Trommelmusik, der Tänzer und Choreograf Andreas Simon verwandelte sich in seinem Tanzsolo in einen alternden Schwan, die iranische Künstlerin Shahrzad Kaedi Nejad führte durch ihre Installation „Then“, die von Verlust, Erinnern, Gemeinschaft und Familie erzählte, mit dem Musiker Abdullah Ibrahim lernte das Publikum das Spiel auf der SAZ und die traditionelle kurdische Musik kennen und die Performerin Nora Mira Maciol zeigte eine Performance zur Metamorphose des Schmetterlings.

Öffentlichkeitsarbeit:

Sowohl für den Sommer- als auch für den Herbstblock wurde jeweils ein Flyer sowie ein Plakat gestaltet. Außerdem wurden die Veranstaltungen über die Kanäle des Werkhaus e.V. (Virtuelles Zentrum, facebook, Monatsleporello) angekündigt. Zusätzlich ging zu jeder großen SAUSE eine Pressemitteilung raus.

Zu jeder SAUSE wurde auf dem Blog des Werkhaus e.V. ein Bericht veröffentlicht (https://brennpunktkrefeld.de/?s=freiraumSAUSE)

Zuschauerzahlen:

Die Anmeldezahlen zu den SAUSEN waren eher mäßig. Tatsächlich kamen meist mehr unangemeldete Familien, sowie Kinder aus dem Quartier, so dass immer zwischen 6 – 25 BesucherInnen die Veranstaltungen besuchten. Es gibt also Luft nach oben – das dabei sein lohnt sich, sollten wir es schaffen, neue Sausen zu veranstalten..

Résumée und Ausblick:

Ziel der SAUSEN war es gewesen ein künstlerisch anspruchsvolles Format für Familien zu entwickeln, welches Kinder und Erwachsene mit unterschiedlichen Künsten in Kontakt bringt – sowohl rezipierend als auch selbst gestaltend. Bei der Künstler*innen-Auswahl stand Diversität als ein wichtiges Kriterium im Vordergrund (bezogen auf das Genre und den kulturellen Hintergrund), um mit den SAUSEN eine möglichst große Bandbreite künstlerischen Schaffens darzustellen. Dies ist auch gelungen.

Gemessen am Aufwand für jede einzelne SAUSE waren die Anmeldezahlen, aber auch die tatsächlichen Zuschauerzahlen zu gering. Im Gespräch mit einzelnen Familien zeigte sich, dass diese Zielgruppe ein hohes Maß an Flexibilität braucht und eine feste Anmeldung zu einer Veranstaltung diesem Bedürfnis gegenübersteht. Auch machte es den Anschein, dass die Tatsache, dass kein Eintritt für die SAUSEN erhoben wurde, die Verbindlichkeit der Anmeldungen sinken ließ.

Den SAUSEN und ihrer Qualität an sich hat das aber keinen Abbruch getan. Die Teilnehmer*innen zeigten sich angetan und die Zeit, als Familie gemeinsam Kunst und Kultur in verschiedenen Formaten zu schauen und dann gemeinsam aktiv zu werden, wurde als sehr wertvoll empfunden.
Wann sonst gibt es die Möglichkeit, mit dem eigenen Kind auf der Bühne zu stehen und eine Szene zu spielen, oder der Mutter einen Tanz zu zeigen, den diese dann nachahmt? Wann werden Erwachsene und Kinder gemeinsam zu Schmetterlingen und Schwänen?

Das Projekt war als Initiativprojekt zum Kennen lernen gedacht: Kennen lernen von Kunst und die diese ausübende KünstlerInnen, von fremden Menschen mit denen plötzlich gemeinsam etwas getan und dem Ort FREIraum21, der Möglichkeiten bietet, die man noch nicht gekannt hat. Wir wollten einen „Anker werfen”, einen Grund schaffen, warum Menschen an unserem neuen Standort zusammenkommen. Dabei hatten wir auch eine Zielgruppe im Auge, die sonst nicht bei uns anzutreffen ist. Das sind Kinder im Vorschulalter mit ihren Erwachsenen und Geschwisterkindern.
Dem Rückzug aus dem kulturellen Leben nach Corona wollten wir einen neuen Erlebnisraum öffnen und ein Familienerlebnis schaffen.
Die Resonanz macht uns Mut, nicht auf Grund der Besucherzahl, sondern auf Grund der positiven Erlebnisse und Rückmeldungen der Beteiligten, ob DozentIn oder Erwachsenen und Kinder sowieso.
Perspektivisch ist aus den Ansätzen der Sausen eine Tanztheater-Produktion entstanden, die mit großer Resonanz aufgenommen wurde. Für die DozentInnen war es die Möglichkeit, sich mit einer neuen Präsentationsform auszuprobieren. Für uns vom Werkhaus haben wir neue Ideen für Angebote entwickelt und neue Besucher kennengelernt, die bis dahin unsere Arbeit gar nicht kannten.

Anker werfen war ein Projekt des Werkhaus e.V., gefördert durch

über

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