Das Schwarze Schaf – Runde 2

Weitere sieben Künstler greifen nach den Lorbeeren des renommierten Preises und auch Profis sammeln neue Erfahrungen. Diesmal stimmen im Südbahnhof 109 Zuschauer ab.

Mike & Aydin entscheiden den Abend für sich. Sie beiden gehören zu den insgesamt 12 Acts, die sich für die Vorrunde beim Kabarettpreis „Das schwarze Schaf“ qualifiziert haben und zu den sechs, die bei der zweiten Runde im Südbahnhof dabei waren. Als letzter Auftritt des Abends spielen sie 15 Minuten aus ihrem Programm „Nord-Süd-Gefälle“ mit dem die beiden Schauspieler und Bühnenautoren seit vier Jahren unterwegs sind. Mike McAlpine gibt den distinguierten Briten in Frack und Fliege, Aydin Isik den explosiven Türken und sie treffen mit ihren Betrachtungen zu EU, Fußball und ihrer gemeinsamen neuen Heimat Deutschland den Nerv der Zuschauer.

„Das schwarze Schaf“ gehört zu den renommiertesten Kabarettpreisen“ begründet Isik die Bewerbung. „Es würde nicht schaden, wenn wir noch öfter gebucht würden und das Fernsehen auf uns aufmerksam würde.“ Unabhängig davon sieht McAlpine weitere Vorteile: „Es macht einfach Spaß dabei zu sein!“ Außerdem lerne man Kollegen kennen, spiele nur 15 Minuten und würde den restlichen Abend gut unterhalten. „Ohne Eintritt bezahlen zu müssen“, ergänzt er und aus seinen blauen Augen blitzt es ironisch.

Ein weiterer Bewerber, Rudi Schöller, schreibt fürs österreichische Fernsehen und Rundfunk und ist in der Wiener Szene bereits eine Nummer. „Meine Agentur hat die Teilnahme angeregt“, sagt er und freut sich über die neuen Erfahrungen. „Ich stand noch nie so weit weg von Österreich auf der Bühne“, sagt er und ein feines Lächeln umspielt ironisch seinen Mund. Nach dem Auftritt in Emmerich hat er seinen Text geändert. „Sonst nutze ich mehr Dialekt, aber ich hatte das Gefühl, die Leute hätten mich nicht richtig verstanden.“

Auffällig an der neuen Generation Kabarettisten: Sie nehmen nicht nur ironisch aufs Korn. Etwa die wirtschaftlichen Interessen mit denen Ängste geschürt werden, wie im Lebensmittelbereich. Sie haben auch Botschaften: „Steht zu Euren Ängsten und Unsicherheiten“, sagt beispielsweise Nektarios Vlachopoulos, der seine Bühnenkarriere als Slammer begann. Und der gebürtige Äthiopier Berhane Berhane, der sich als Stand Up Comedian sieht, sagt zum Schluss: „Schenkt Euer Lächeln der Welt da draußen! Sie braucht es.“ Erfreulich, dass so etwas nicht mehr nur in Frauenzeitschriften und Esoterik-Literatur verbreitet wird, sondern von jungen, richtig coolen Männern.

Nun warten alle gespannt auf den Ausgang der Vorrunde: Welche fünf Acts schaffen es ins Finale am 5. Mai in Duisburg? Dort wird eine Fachjury im Theater am Marientor über das neue „Schwarze Schaf“ entscheiden.

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One Reply to “Das Schwarze Schaf – Runde 2”

  1. Das war ein richtig toller Abend und die Entscheidung, wer das Kreuz auf der Wahlliste bekommen sollte, fiel schwer. Alle Künstler (leider! wo sind die geistreichen Frauen?), so unterschiedlich Themen und Auftritt waren, hätten es verdient. Nektarios Vlachopoulos zum Beispiel spielte feinsinnig und virtuos mit Worten und es war ein Genuss, ihm zuzuhören. Und wie er das Thema Ängste und Unsicherheit politisch, aber auch zutiefst menschlich analysierte, das eröffnete schon einen ungewöhnlichen Blickwinkel.
    Berhane Berhanes wunderbar positive und humorvolle Sicht auf kulturelle Besonderheiten, zum Beispiel beim Zustandekommen seines „Doppel“namens – unsere Bürokratie braucht einen Vor- und Nachnamen – und gibt’s nicht, geht nicht – war nicht nur witzig, sondern zeigt auch die Fallstricke beim Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen.
    Rudi Schöller drehte den Spieß im Zusammenspiel der Generationen um, wenn er als Vertreter der Generation der digital natives erzählt, wie lästig es sein kann, den Eltern zu helfen, in der digitalen Welt zurechtzukommen.
    Und die Gewinner des Abends boten ein teils fulminates Zusammentreffen von Nord und Süd. Auch hier sind die politischen Schlaglichter interessant, zum Beispiel wenn Aydin Isik die schnellen Osterweiterungen der EU 2004 und 2007 mit dem jahrzehntelange Bemühen der Türkei, in die EG und später die EU aufgenommen zu werden, kontrastiert.
    Also ein Abend, der dem Kabarettisten Hans Dieter Hüsch, dem schwarzen Schaf des Niederrheins und damit Namensgeber für den gleichnamigen Kabarettpreis gefallen haben könnte.

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