Kein Leben ohne Musik(instrumente)

Erzählungen über die Wanderreise einer besonderen russischen Romanze

von Jelena Greshukhina

Mit großem Interesse habe ich auf der Internetseite des Werkhauses e.V. über ein besonderes, für mich absolut exotisches Schlaginstrument Thavil gelesen. Das ist „eine traditionelle, südindische Trommel“, die „ihren Weg in den Westen“ findet (https://brennpunktkrefeld.de/21336/vannakam-thavil-workshop-mit-pahee-selva/) und auf ihre Art und Weise unser Leben und unsere Kultur ändert und bereichert. Es hat mich motiviert, einen kleinen Artikel über das allen bekannte Tasteninstrument Pianoforte zu schreiben, das mich nachhaltig verändert hat und bereits die ganze Welt erobert hat.

Die Reise fängt in fernen 1970-er Jahren an. Es war ein kalter Abend im Winter. In meiner Familie erschien ein Klavier. Das Piano war kalt und hatte keine Stimme. Wir haben uns das Instrument angeschaut, uns damit vertraut gemacht, es gewärmt und natürlich gestimmt. Es ist gleich von der ganzen Familie geliebt worden.

Mein Piano war sieben Jahre jünger als ich. Seit es zu uns kam, hat es uns treu auf allen unzähligen Umzügen meiner Familie begleitet.

Das Instrument, das so ein unruhiges Leben führte, musste immer gestimmt werden.  Wie das Schicksal es wollte, habe ich den ersten Klavierstimmer meines Pianos viele Jahre später, bei meinem Umzug nach Deutschland wiedergetroffen. Die Familie, die meinen akustischen Holzfreund, der nicht mitreisen konnte, abholen wollte, benötigte vor der Abholung die Meinung eines Fachmannes zu dem Instrument.

„Ich kenne dieses Instrument. Nehmen Sie es. Sie werden  sehr zufrieden sein, „- hat der Klavierstimmer gesagt. Er hat meine „Desna“, das war die Marke meines Klaviers, nach 30 Jahren wieder erkannt.

Ja, jedes Musikinstrument ist ein ganzes Universum. Man kann stundenlang über seine Stimme, Timbre, Charakter, Geschichte, Namen reden.

Während meiner Migration nach Deutschland, habe ich alles hinter mir gelassen. Am schwersten fiel es mir, mein Pianoforte zurückzulassen, das mich veränderte und mich Thajkowskiy, Rachmaninov und die „Russische Romanze“ lieben gelehrt hatte.

Dann war Pause. Es war ein klangloses, einsamens Leben. Ich hatte kein Instrument mehr.

Und dann ist es wieder geschehen: Ich sprach russisch, sie deutsch! Sie war meine erste Klavierschülerin in Deutschland.

Es ist kein  Geheimnis, dass die Musik eine Kommunikationssprache ist. Aber dass man diese universelle Sprache  sprechen kann, wenn alle anderen Sprachen schweigen, habe ich erst in Deutschland erfahren dürfen. Ein einfaches E-Piano hat die Kommunikation zwischen mir und dieser Schülerin ermöglicht.

Dieses E-Piano der Marke „Hamingway“ dient uns im Südbahnhof Krefeld (Saumstrasse 9) nach wie vor. Das Piano steht bescheiden neben der Theke. Trotzdem hilft es uns und unseren SchülerInnen immer in kritischen Situationen. Wir benötigen nur eine Steckdose und können sofort weiter unterrichten, selbst wenn kein Unterrichtsraum mehr frei ist. Wir, das ist pädagogische Team des Südbahnhofs, das auf verschiedenen Instrumenten, die wir lieben, im Rahmen des Projektes „Musikgleis“ unseren SchülerInnen Klavierunterricht geben.

Ein weiteres kleines und delikates Instrument steht in der hellen Halle des Südbahnhofs. Dessen Stimme ist leise und bescheiden.

Sein Nachbarinstrument- ein Orchesterklavier, das sich im Damensaal niedergelassen hat, ist das genaue Gegenteil. Das ist ein altes, großes Instrument der Marke Tesch & May Emmerich. Seine Stimme ist groß, männlich und ist voluminös.

Ein Klavier der Marke Kawai, das seinen Platz in Konzertsaal gefunden hat, ist das jüngste Instrument im Südbahnhof Krefeld. Jüngere Künstler und ihre Pädagogen bereiten am Ende jedes Semesters ein  Abschlussprogramm, das sie dem Kawai den Gästen präsentieren. Dieses treue Klavier sieht man auf jedem Konzertfoto oder -video. Es ist auf jedem Bild immer voll mit Noten, Urkunden, Geschenken und Blumen. So war es auch am 08.07.2018 im Südbahnhof Krefeld, als wir unser Traditionskinderkonzert gehabt haben, das sogar das 15. Jubiläumskonzert war.

Ab dem 1. Oktober zieht das Projekt „MusikGleis“ erstmals ins Werkhaus (Blücherstraße 13, 47799 Krefeld) um. Dort warten weitere Instrumente auf unsere SchülerInnen.

Bestimmt haben diese musikalischen akustischen Freunde ein langes und interessantes Leben gehabt.  Noch haben wir nicht viel über die Vergangenheit der Tasteninstrumente im Werkhaus erfahren, aber wir sind uns sicher, dass wir ein zweites spannendes Leben in diese Instrumente einhauchen können! Offenbar warten spannende Geschichten auf uns.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Zukunft voller Töne, Klänge und Spaß im Werkhaus.

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